Terracotta

Terracotta gehört als Material zu den Keramikwaren (oder „Irdenwaren“) und wird aus Ton gefertigt. Für die typisch rötliche oder gelbliche Farbe ist der spezielle Ton verantwortlich, der für die Herstellung von Terracotta-Keramik verwendet wird: er sist entweder besonders eisenhaltig und dann rötlich oder besonders kalkhaltig, woraus eher gelblich gefertigte Keramikwaren (Terrakotten) entstehen.

Traditionell hergestellte Terracottawaren werden nur ein einziges Mal gebrannt, dabei kommen nur niedrige Temperaturen von rund 900 °C bis 1.000 °C zum Einsatz. Einen so vergleichsweise einfachen Brennvorgang konnte man bereits in der Antike durchführen, da auch entsprechende Erden in vergleichsweise großen Mengen und an vielen Orten verfügbar sind, waren Terrakotta-Keramiken schon zu diesen Zeiten sehr weit verbreitet. In späteren Zeiten wurde das seit Jahrtausenden verwendete Material dann immer wieder „neu“ entdeckt und erlebte einen echten Boom. Dabei blieb und bleibt Terrakotta wie seit alters her grundsätzlich immer unglasiert.

Trotz der niedrigen Brenntemperatur, dem einfachen Brennvorgang und dem Verzicht auf eine schützende Glasur ist auch traditionelle Terrakotta-Keramik sehr haltbar, wasserfest und sogar frostbeständig. Spezielle Eigenschaften können durch gezieltes Mischen von unterschiedlichen Tonsorten und bestimmten Beimengungen (die sogenannte „Magerung„) erzeugt werden.

Wird Terracotta anders als in der traditionellen Herstellung mit sehr hohen Temperaturen gebrannt und wird dabei ein spezieller Ton aus einer bestimmten Region in Italien (Impruneta) verwendet, entsteht eine besonders frostfeste Terrakotta-Variante, die deutlich weniger Wasser aufnimmt als andere Terrakotta-Sorten. Sie wird auch im Handel als „Impruneta“ bezeichnet und ist meist deutlich teurer als gewöhnliche Terrakotta. Für die besonderen Eigenschaften der Impruneta ist dabei nicht nur der sehr hochtemperierte Brennvorgang, sondern vor allem das besondere Ausgangsmaterial verantwortlich. Der hohe Gehalt an Kupferoxiden, Eisenoxiden und Aluminiumoxiden sowie der hohe Mineraliengehalt des verwendeten Tons leistet hierbei einen wesentlichen Beitrag zur Robustheit der Impruneta.

Verwendung von Terracotta in der Vergangenheit

Erste Belege für die Herstellung von Terrakotta-Keramiken als handgefertigte Töpfe und Gefäße finden sich schon lange vor der Antike in der Urzeit. Wirklich weite Verbreitung erfuhren die Keramiken aus Terracotta aber erst in der minoischen Kultur der Bronzezeit auf Kreta, wo sie vorwiegend zur Herstellung kleinerer Statuetten verwendet wurde. Die Herstellung solcher Statuetten waren von der minoischen Kultur ausgehend dann auch relativ schnell im alten Griechenland sehr verbreitet. Schon früh entstanden an vielen Orten professionelle Werkstätten, die die Verarbeitung des Materials immer weiter entwickelten. Von Griechenland ausgehend verbreitete sich die Nutzung von Terrakotta über den gesamten Mittelmeerraum.

Mit der Zeit wurde das Material wegen seiner besonderen Eigenschaften immer weitergehend genutzt, schon früh wurden auch Schmuckziegel am Dach aus Terrakotta hergestellt, bald auch gewöhnliche Dachziegel und große Verkleidungsplatten für Giebel, Fassadengestaltungen an wichtigen Tempeln (bereits vor den Römern schon bei den Etruskern) und Fußbodenbeläge sowie Wandreliefs.

Im Spätmittelalter entstanden im deutschsprachigen Raum einige bedeutende Kunstwerke aus bemalter Terrakotta, nach diesem „Boom“, der vor allem von einigen bedeutenden Bildhauern ausgelöst wurde, verlor das Material mit dem Ende der Renaissance wieder an Bedeutung, an seine Stelle traten andere Keramikformen. Eine neue Blüte erlebte die traditionelle Keramik dann erst wieder im 19. Jahrhundert – vor allem wegen seiner sehr einfachen und wenig aufwendigen Herstellung und Verarbeitung und ihrer trotzdem sehr guten Eigenschaften.

Bedeutende Terrakotten der Vergangenheit

Die berühmte „Terrakotta-Armee“ des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi ist vermutlich heute jedem ein Begriff. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von 8.000 Figuren, die gemeinsam mit dem Kaiser 210 v. Chr. in seinem Mausoleum bestattet wurden. Die meist überlebensgroßen und bis ins kleinste Detail sehr lebensecht wirkenden Figuren sind zum Teil massengefertigt, zum Teil aber individuell ausgestaltet und mit unterschiedlichen Gesichtszügen und Körpermerkmalen versehen, da sie vermutlich bestimmten lebenden Personen aus dem Hofstaat des Kaisers ähnlich sein sollten. Den damaligen Glaubensüberzeugungen zufolge standen die Personen, die die Figuren darstellten, damit dem Kaiser als voll ausgerüstete (es wurden auch die entsprechenden Waffen gefunden) Armee im Jenseits weiterhin zur Verfügung. Die Figuren legen ein beeindruckendes Zeugnis der Leistungsfähigkeit der damaligen Keramikindustrie im alten China ab und zeigen auch, wie hoch die Fähigkeiten zur individualisierten Massenproduktion von Produkten damals bereits gewesen sein müssen.

Auch die Nok-Kultur in Nigeria ist für eine sehr ausdrucksvolle und sehr detailgetreu ausgeführte Figurenkeramik aus sehr früher Zeit bekannt. Die Kultur selbst entwickelte sich wohl schon um 1.500 v. Chr. bis 900 v. Chr., die meisten heute bekannten ausnahmslos nur noch in Fragmenten erhalten gebliebene Fundstücke stammen allerdings aus späterer Zeit, viele auch aus der Zeit der Terrakotta-Armee in China. Bis heute ist nicht viel über diese Kultur bekannt, die um das Jahr 0 dann nahezu spurlos verschwand, die Menschen der Nok-Kultur müssen Funden zufolge bereits die Herstellung von Eisen beherrscht haben. Die Terrakotta-Figuren haben heute einen enormen Marktwert unter Sammlern.

Heutige Verwendung

Mit dem Trend zu mediterranen Gestaltungen in den letzten Jahrzehnten wurde Terrakotta auch bei uns immer beliebter. Neben Fliesen für den Außenbereich (z. B. als Bodenbelag für Terrassen) in verschiedenen Formen und Größen sind auch Pflanzgefäße, Blumentöpfe und Pflanzkübel als mediterrane Gestaltungselemente für den Garten heute sehr beliebt.

Auch im Innenbereich werden rustikal und mediterran wirkende Bodenbeläge aus Terracotta-Fliesen vielfach eingesetzt, neben Mosaikmatten und verschiedenen Gestaltungselementen im Innenbereich (z. B. Waschbecken). Terracotta-Fliesen werden dabei vielfach auch als „Cotto“ bezeichnet. Sie sind unter anderem auch deshalb besonders beliebt, weil sie mit der Zeit „reifen“ und eine ganz eigene Patina entwickeln. Je älter sie sind, desto wertvoller werden sie meist auch, dabei sollte die Oberfläche von hochwertigen Cotto-Belägen regelmäßig sorgsam gepflegt und mit Wachs oder Öl eingelassen werden. Man kann sie in zahlreichen Ausführungen, Farben und Formen kaufen.

Fassadengestaltungen aus Terracotta sind heute nur noch vereinzelt als besonderes Gestaltungselement zu finden, auch für Tondachziegel werden heute zumeist andere Keramikarten verwendet.

Ganz interessant ist daneben auch die sogenannte „Ägyptische Erde“, das zu wesentlichen Anteilen aus zermahlener Terracotta hergestellt wird. Das zu Steinen gepresste Puder wird verwendet, um den Hautton abzudunkeln und das Aussehen sonnengebräunt wirken zu lassen.

Fazit

Eine der frühesten Formen von Keramiken, die wohl schon in der Urzeit vielfach für Töpfe und Gefäße verwendet wurde – Terracotta hat eine Geschichte, die bereits über viele Jahrtausende zurückreicht. Grund für die schon frühe Entdeckung dieser Art der Keramikherstellung ist wohl einerseits der sehr einfache Brennvorgang bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen und die Verfügbarkeit von geeigneten Tonen als Ausgangsmaterial an vielen Orten in relativ großer Menge.

Im Laufe der Geschichte sind nicht nur zahlreiche weltbekannte Kunstwerke aus der besonderen Keramik entstanden, Bodenbeläge, Blumenkübel und Gartendekorationen aus Terrakotta erleben auch heute wieder einen neuen Höhenflug, da die Keramik mit ihren typischen warmen, gelblichen und rötlichen Farbtönungen sehr gemütliche und heimelige, mediterran wirkende Gestaltungen zulässt. Der Name der Keramik wird dabei sogar verwendet, um den typischen Farbton zu beschreiben.

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