Sichtbeton

Als Sichtbeton werden Betonoberflächen bezeichnet, die bewusst sichtbar bleiben sollen und eine gestalterische Funktion erfüllen. Sichtbare Betonflächen können dabei sowohl im Bereich von Innen- und Außenwänden als auch am Boden (Sichtbetonboden, Sichtestrich) hergestellt werden, wodurch die Notwendigkeit für einen zusätzlichen Bodenbelag entfällt. Auch Gestaltungselemente wie einzelne Stützwände können mit einer Sichtbetonoberfläche ausgeführt werden.

Übliche Verwendung

Die Verwendung von Sichtbeton bei Bauprojekten ist nicht neu. Entsprechende Versuche gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders im Kirchenbau. Zwischen 1900 und 1930 entstanden gleich mehrere Kirchen mit durchgehenden Fassaden aus schalungsrohem Sichtbeton in Deutschland, ebenso in der Schweiz und in Frankreich.

Je nach Bereich, in dem Sichtbeton angewendet wird, wird die Struktur der Schalung auf den Ansichtsflächen des Betons mehr oder weniger deutlich zutage treten. Durch den Einsatz besonderes geformter Schalungen lassen sich dann auf den Sichtbetonflächen unterschiedliche Formgebungen realisieren. Um die Schalungsform besonders detailliert wiederzugeben werden dabei sehr feine Betonarten verwendet. Im künstlerischen und im sehr hochwertigen architektonischen Bereich wird dann oft sogar mit speziellen Matrizen gearbeitet.

Bei reinen Zweckprojekten spielt das Sichtbarmachen der Schalung nur eine untergeordnete Rolle, wenn Schalungsmuster auf der Oberfläche sichtbar werden, ist das meist rein durch die Herstellungstechnik bedingt (zum Beispiel beim Bau von Brückenpfeilern, die ja nur wenig künstlerischen oder architektonischen Ansprüchen genügen sollen).

Einteilung von Sichtbetonflächen

In den für die Sichtbeton-Herstellung geltenden Regeln werden insgesamt vier verschiedene Sichtbetonklassen (Sichtbetonqualitäten) definiert. Die Qualitätsbemessung (und Klasseneinteilung) richtet sich dabei nach:

  • der Ebenheit des Betons
  • der Porigkeit des Betons (fein- oder grobporig)
  • der Farbtongleichmäßigkeit
  • den Arbeitsfugen und Schalhautfugen
  • der Schalhaut selbst (sie bestimmt die Textur der Betonoberfläche, es gibt dafür auch eigene Schalhaut-Klassen)
  • das Vorhandensein einer Referenzfläche oder Erprobungsfläche (ab Sichtbeton-Klasse SB 2 empfohlen)

Die Anforderungen im Einzelnen können im Merkblatt Sichtbeton vom Deutschen Beton- und Bautechnikverein (DBV) detailliert nachgeschlagen werden. Der Verein, der seit 1898 tätig ist, hat seinen Sitz in Berlin und kümmert sich überwiegend um die technische Weiterentwicklung des Betonbau-Grundlagen auf wissenschaftlicher Basis.

Unterschieden werden in der Einteilung die Sichtbetonklassen SB 1 bis SB 4, wobei für SB 1 nur sehr grundlegende Anforderungen an die Oberfläche gestellt werden, die überwiegend bei gewerblichen Nutzungsflächen mit geringem architektonischen Anspruch bestehen. Aufwendige Fassadengestaltungen erfordern dagegen Ausführungen der Klasse SB 3 oder SB 4.

Für jede Klasse sind in den entsprechenden Regelwerken genaue Anforderungen definiert, die zwingend eingehalten werden müssen. Auch der Betrachtungsabstand für die Sichtprüfung und Beurteilung einer Sichtbeton-Fläche ist genau vorgeschrieben

Geeignete Betonzusammensetzung

Um eine Sichtbeton-Fläche von guter Qualität herzustellen, muss schon als Ausgangsmaterial für den Ortbeton ein Beton von möglichst guter Qualität verwendet werden. Ein ausreichend hoher Mörtelgehalt und ein Zementgehalt von mindestens 300 kg/m³ sind in jedem Fall dringend empfehlenswert. Der Beton muss zudem möglichst monolithisch eingebaut werden, damit sich später keine deutlich sichtbaren Betoniergrenzen abzeichnen.

Der verwendete Beton muss eine möglichst gute Verarbeitbarkeit haben, darf sich nicht entmischen und beim Einbau und beim Verdichten auch nicht bluten. Die Wahl des geeigneten Trennmittels, das ebenfalls von hoher Qualität sein muss, ist ebenfalls entscheidend.

Der Wasserzementwert (w/z-Wert) sollte unter 0,55 liegen, um Helligkeitsunterschiede zu vermeiden, darf der w/z-Wert während der Verarbeitung nicht schwanken. Bereits eine Schwankung um den Wert 0,02 kann zu Beeinträchtigungen der Farbgebung mit unterschiedlichen Helligkeiten über die Fläche hinweg führen.

Auch Restwasser und Restbeton dürfen nicht verwendet werden, da sie ebenfalls deutliche Auswirkungen auf die Farbgebung der Sichtbetonfläche haben können. Ebenso müssen während der gesamten Bauausführung durchgehend die gleichen Ausgangsstoffe verwendet werden.

Schalungsarten

Die Art der verwendeten Schalung hat immer einen sehr großen Einfluss auf das spätere Aussehen der Sichtbeton-Oberfläche.

Saugende Schalungen erzeugen dabei eher dunkle, geringporige und farblich eher einheitliche Oberflächenbilder, dafür ist die Oberfläche des Betons später auch gut belastbar und nur wenig empfindlich.

Wird eine nichtsaugende Schalung verwendet, entsteht genau das Gegenteil: eine optisch deutlich hellere Oberfläche mit zahlreichen Poren und deutlich größerer Empfindlichkeit. Farbtonunterschiede fallen auf diesen Oberflächen besonders stark und deutlich auf, auch die für Beton typische Marmorierung kommt auf dieser Oberfläche sehr gut zur Geltung.

Texturierte Schalungen sorgen eher für ein einheitliches Oberflächenbild, das vor allem durch die Textur der Schalung geprägt ist, Farbunterschiede aber eher wenig zur Geltung bringt, bei glatten Schalungen kommt es dagegen zu deutlich sichtbaren Farbtonunterschieden und zu einer deutlich wahrnehmbareren Ausprägung der Marmorierung sowie in den meisten Fällen auch zu deutlich stärkerer Porenbildung (je nach Schalungsmaterial).

Die Auswahl der Schalung sollte sich also immer nach den optischen Effekten richten, die man auf der Sichtbetonfläche erzielen möchte.

Weitere Gestaltungsmöglichkeiten bei Sichtbeton

Neben der Auswahl von entsprechenden Schalungen besteht auch die Möglichkeit der Nachbehandlung des Betons. Das kann etwa durch den Einsatz bestimmter Sandstrahl-Techniken geschehen, aber auch durch Auswaschen. Auch eine Bearbeitung von Hand (Steinmetz-Bearbeitung) der Fläche ist prinzipiell denkbar.

Schon beim Herstellen des Betons können gezielt farbige Gesteinskörnungen oder Pigmente eingebracht werden, um besondere farbliche Effekte zu erzielen. Auch der Einsatz von Weißzement ist eine Möglichkeit, dem Beton eine bestimmte farbliche Note zu verleihen. Betone aus Weißzement sind sehr hell und lassen sich auch gut einfärben. Beim Hinzufügen von Pigmenten sollte zuvor eine Musterfläche angelegt werden, um die Farbwirkung beurteilen zu können.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, Farbbetone für die Herstellung von Sichtbeton zu verwenden. Die Verwendung direkt eingefärbter Betone bietet dabei den Vorteil, dass es durch Witterung, Verschleiß oder Beschädigungen zu keinem Abplatzen von Farbschichten kommen kann, der direkt eingefärbte Beton behält seine Farbe dauerhaft auch bei allen Beschädigungen der Oberfläche.

Haltbarkeit von Sichtbetonflächen

Beton steht in dem Ruf, enorm dauerhaft und haltbar zu sein. Das muss man allerdings etwas relativieren – Experten gestehen Beton durchschnittlich eine Lebensdauer von rund 80 Jahren zu, also gar nicht so lange. Einige früher gebräuchliche Betonarten können auch deutlich länger halten, ein heute meist stahlarmierter Beton hat allerdings so seine Schwachpunkte.

Umwelteinflüsse, chemische Stoffe aus der Umwelt und andere Schadstoffe wie Tausalz greifen Betonoberflächen unweigerlich an und setzen ihnen auf Dauer zu. Das lässt sich kaum vermeiden – außer man verwendet uralte Spezialbetone wie die alten Römer sie benutzten, die sind wegen ihrer vermutlich deutlich stabileren Kristallstruktur auch um ein Vielfaches dauerhafter und belastbarer als heutiger Beton. Dafür lässt sich damit aber auch nicht alles das realisieren, was wir heute ganz selbstverständlich aus Beton bauen.

Ein wenig Pflege kann auch bei modernen Sichtbeton-Oberflächen die Lebensdauer und Haltbarkeit entscheidend verlängern. Die Fleckenempfindlichkeit lässt sich durch Imprägnierungen reduzieren. Verschleißerscheinungen lassen sich, speziell in belasteten Bereichen, nicht immer vermeiden, bei kleineren Schäden (Vermehlungen, Verfärbungen, Fugenauswaschungen) sollte aber immer möglichst frühzeitig fachgerecht saniert werden. Mithilfe fachgerechter Betonkosmetik können oft auch bereits optisch stak in Mitleidenschaft gezogene Betonoberflächen noch gut retuschiert oder restauriert werden, auch eine Umgestaltung der Oberfläche ist so möglich.

Fazit

Sichtbeton ist ein zunehmend häufiger eingesetztes Gestaltungsmittel. Sichtbare Betonflächen wirken minimalistisch und elegant zugleich, sie können bei Wänden, Fassadengestaltungen aber auch bei Böden oder für einzelne Gestaltungselemente eingesetzt werden. Die Herstellung von Sichtbetonflächen ist allerdings aufwendig und erfordert ein hohes Maß an Fachkenntnis und sehr sorgfältige Materialauswahl und Verarbeitung, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

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