Migmatit

Eine Migmatitplatte.
Eine Migmatitplatte.

Für den Begriff Migmatit gibt es in der Geologie eine etwas komplizierte Definition: Als Migmatite werden „Mischformen“ zwischen magmatischem und metamorphem Gestein verstanden. Grundsätzlich handelt es sich bei Migmatiten zwar um metamorphes Gestein (Umwandlungsgestein), die Gesteinsumwandlung (Metamorphose) ist allerdings auf ein teilweises Aufschmelzen des Ausgangsgesteins zurückzuführen.

Da es nach geologisch festgelegter Definition bei einer „echten“ Metamorphose zu keinen Aufschmelzungen kommt, muss man diese speziellen Metamorphite als eigene Gruppe ausnehmen. Wegen der partiellen Aufschmelzung des Gesteins, die geologisch Anatexis genannt wird, bezeichnet man diese Sondergruppe auch als „Anatexite“. Migmatite ist dabei allerdings der gebräuchlichere und häufiger verwendete Begriff. Er ist aus dem Griechischen abgeleitet, wo er „gemischtes Gestein“ bedeutet.

Paläosom und Neosom

In der betroffenen Gesteinsfazies selbst unterteilt man dann geologisch in Paläosom und Neosom, wobei das Paläosom jener Gesteinsteil ist, der von der Aufschmelzung nicht direkt betroffen war. Es kann aber dennoch (sekundäre) Veränderungen aufweisen, indem es mit der Gesteinsschmelze des Neosoms (des aufgeschmolzenen Gesteinsteils) chemisch reagiert. In der Petrographie kann man beide Gesteinsteile deutlich optisch unterscheiden.

Das Neosom kann beim Migmatit dabei in zwei verschiedenen Teilen vorliegen:

  • dem sogenannten Leukosom (magmatisches Gefüge, granitartige Zusammensetzung, damit reich an Quarz, Feldspaten wie Plagioklas oder Alkalifeldspat, meist hell)
  • dem sogenannten Melanosom (dunkler Rand um das Leukosom, reich an Cordierit, Biotit und Hornblende)

Das Melanosom wird, da es sich um nur schwer schmelzbare Überreste des Neosoms handelt, oft auch einfach als Restit bezeichnet. Um die Begriffsverwirrung vollständig zu machen, unterscheidet man zusätzlich auch noch weiter, nämlich zwischen:

  • Metatexiten
  • Diatexiten und
  • Syntexiten

Metatexite sind alle jene Migmatite, bei denen das Neosom pegmatit-ähnlich (pegmatitisch), aplit-ähnlich (aplitisch) oder leukogranit-ählich (leukogranitisch) ist.

Als Diatexite bezeichnet man in der Geologie alle jene Migmatite, die zum größten Teil (beinahe vollständig) aufgeschmolzen wurden, bei denen ein Paläosom also kaum mehr vorhanden ist. Von „echten“ Magmatiten unterscheidet sie aber noch der geringe Grad an Einregelung.

Werden beim Aufschmelzvorgang verschiedene Ausgangsgesteine zugleich betroffen, nennt man das Endergebnis dann Syntexit, der Vorgang des Aufschmelzens mehrerer Gesteinsarten gleichzeitig heißt Syntexis.

Vorkommen von Migmatiten

Die komplizierte Einteilung und der komplexe Entstehungsprozess zeigen bereits, dass für die Bildung von Migmatiten ganz bestimmte Entstehungsbedingungen vorliegen müssen.

Diese Bedingungen herrschen meist in den hochgradig metamorphen Zonen der Grundgebirge, wenn dort ältere Gesteine (mindestens 550 Mio. Jahre alt oder älter, also vor dem Beginn mehrzelligen Lebens) vorhanden sind. Solche Bedingungen und so alte Gesteine finden sich auf dem europäischen Kontinent vorwiegend im Bereich des sogenannten Baltischen Schildes (weite Teile Skandinaviens bis zur Kola-Halbinsel, dem ältesten Kern des europäischen Kontinents) und dem sogenannten Moldanubikum, einem Gesteinskomplex, der fast nur aus Kristallin besteht und sich (daher der Name) vorwiegend zwischen Moldau und Donau befindet. Aufgeschlossen ist das Moldanubikum in der Böhmischen Masse (südlich des Fichtelgebirges), im Schwarzwald und in den Vogesen (im südlichen Teil).

Weitere Vorkommen finden sich im Erzgebirge, im Oberpfälzer Wald und im Bayerischen Wald, spezielle Formen von Migmatiten gibt es auch im Tessin und in Teilen des Ötztals und Stubais. Außerhalb Europas findet man Migmatit vor allem in Indien, Südafrika und Brasilien.

Erscheinungsbild

Durch den komplizierten Bildungsprozess und die zum Teil sehr unterschiedlichen Ausgangsgesteine können Migmatite – wie alle Metamorphite – sehr unterschiedlich aussehen. Das Gefüge kann zum Teil auch magmatisch wirken. Möglich sind aber prinzipiell alle Texturen, etwa ein ins Leukosom gemengtes Paläosom in Form von Bruchstücken, eine ausgeprägte Lagentextur bis hin zu einem gebänderten Aussehen oder deutlich fleckigen oder wolkig-schlierigen Texturen. Die stark lagige Textur, die oft Gneis ähnlich sieht, ist dabei aber ein typische Erscheinungsform von Migmatit.

Verwendung

Eine sehr wichtige Verwendungsmöglichkeit ist als Naturstein. Dafür zeichnet sicherlich die eindrucksvolle Optik von Migmatiten verantwortlich. Als Naturstein wird Migmatit dabei nicht nur als Bodenbelag, sondern auch als Grabstein und als Pflasterstein Verwendung.

Fazit

Die Entstehungsgeschichte von Migmatiten steht in enger Verbindung zu vielen sehr alten Gesteinsschichten unserer Erdkruste und lässt uns weit zurück in die Entstehungsgeschichte unserer Kontinente blicken. Gerade die auffällige Form, die die Verbindung von sehr altem und relativ jungen Gesteinen beim Migmatit annimmt, fasziniert dabei.

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