Wunsiedler Marmor

Wunsiedler Marmor ist eine Gruppe von metamorphen Karbonatgesteinen (umgewandelter Kalkstein), die als Calcitmarmor eingeordnet werden können. Diese Gesteine kommen an unterschiedlichen Orten im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge (Oberfranken, z. B. Marmorbruch Unterwappenöst) vor, daraus leitet sich ihr Name ab.

Bekannt und verbreitet ist Wunsiedler Marmor aber nicht nur in der Region selbst, sondern in weiten Bereichen Bayerns. Diese Regionen des Fichtelgebirges sind aber auch für andere Gesteine, wie Tonalite (z. B. Redwitzit) oder Granit (fast 40 % der Fläche des Fichtelgebirges bestehen aus Granit) bekannt.

Aussehen und typische Eigenschaften

Wunsiedler Marmor ist mittel- bis grobkörnig, sehr typisch sind die parallelen Streifungen in verschiedenen Grautönen in der ansonsten meist weißen bis hellgrauen Grundfarbe. Andersfarbige Varianten kommen vor, insbesondere gelbe und hellorange Farben, dunkelbraune Färbungen sind sehr selten.

Die verschiedenen Färbungen kommen von unterschiedlichen beigemengten Mineralien. Limonite sorgen für gelbliche und bräunliche Tönungen, der leuchtend orangefarbene Farbton stammt dagegen von Hämatit-Anteilen. Je nach Lagerstätte kann die Zusammensetzung leicht unterschiedlich sein, so kommen Muskovit und Zirkon nahezu überall, Olivin, Serpentin, Chlorit und Antigorit aber nur in einigen Lagerstätten vor.

Auch die Kristallgröße ist je nach Lagerstätte sehr unterschiedlich – im Nordbereich sind die Kristalle deutlich größer (rund 5 mm) als im südlichen Bereich (Südband, 0,2 mm).

Grobkristalline Sorten sind nicht gut steinmetzmäßig (künstlerisch) bearbeitbar, die etwas kleinkristalleneren Varianten (höherer Dolomitanteil) lassen sich jedoch auch gut zu Statuen oder Figuren verarbeiten und sind ein geeignetes Ausgangsmaterial für Bildhauer-Arbeiten.

Verwendung

Abgebaut wird der Wunsiedler Marmor in der Region schon seit vielen Jahrhunderten, in der Vergangenheit war der Marmor nicht nur wichtiges Baumaterial, sondern im Mittelalter auch ein dringend benötigtes Ausgangsmaterial zur Kalkgewinnung.

Ab dem 16. Jahrhundert begann man den Marmor auch zunehmend für kunsthandwerkliche Arbeiten einzusetzen. Schlusssteine, Gedenk- und Votivtafeln aber auch Grabsteine und Bildhauer-Arbeiten wurden vielfach aus Wunsiedler Marmor gefertigt. Die Verarbeitung zu Werksteinen wurde dabei ab dem 18. Jahrhundert in nicht unbeträchtlichem Umfang auch von Strafgefangenen in Bayreuth erledigt, die eine große Menge sehr billiger Arbeitskräfte darstellten.

Heute noch existierende Arbeiten aus Wunsiedler Marmor sind etwa das Europadenkmal in Wunsiedel, das Pflaster im Hof des Fichtelgebirgsmuseums und auch eine Büste von Friedrich Müller am selben Ort. Auch der Hof der Grundschule und der Hauptschule in Wunsiedel sind mit diesem Marmor gestaltet.

Als mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert der Marmor immer weniger zur Kalkgewinnung benötigt wurde, wurden nur noch die gut geeigneten dolomithaltigen Sorten aus den jeweiligen Lagerstätten benutzt. Grabsteine und Grabplatten wurden aber weiterhin noch sehr gern aus Wunsiedler Marmor gefertigt.

Bis heute werden oft noch Denkmäler, aber auch Wand- und Bodenverkleidungen, Ziersplitte und Gartenkunstwerke aus Wunsiedler Marmor gefertigt. Er ist zudem ein bekannter und gefragter Naturwerkstein in ganz Bayern.

Lage der einzelnen Lagerstätten

Die Lagerstätten teilen sich in zwei Bänder, ein nördliches und ein südliches, auf. Das nördliche Band als Kalksilikatzug (nördlich von Wunsiedel) zieht sich von der Gemeinde Tröstau bis nach Schönlind, das eigentliche Marmorband läuft rund einen Kilometer südlich davon und durchzieht den Süden Wunsiedels bis zum Ortsteil Holenbrunn und dann – etwas versetzt – weiter nach Thiersheim.

Das südliche, deutlich feinkörnigere Band zieht sich von Marktredwitz nach Arzberg. Die dort zu findenden Marmore haben eine leicht graue Farbe.

Abgebaut wurde der Marmor an verschiedenen Steinbrüchen entlang beider Bänder: Wichtige Marmorbrüche für die Marmorvorkommen lagen in Tröstau, Wunsiedel, Holenbrunn, Sinatengrün, Stemmas, Thiersheim und in Neusorg sowie in Hohenberg an der Eger.

Reinigung und Pflege von Wunsiedler Marmor

Wie alle Calcitmarmore ist auch der Wunsiedler Marmor stark säureempfindlich und in unbehandeltem Zustand deshalb auch nicht in säuregefährdeten Bereichen (wie etwa als Küchenarbeitsplatte) geeignet.

Bei der Reinigung ist besonders darauf zu achten, dass keine säurehaltigen Reinigungsmittel und keinesfalls Entkalker oder Sanitärreiniger auf dem Marmor verwendet werden. Besonders gefährlich für den Marmor ist dabei die häufig enthaltene Amidosulfonsäure. Auch auf stark alkalische Mittel muss unbedingt verzichtet werden.

Die Reinigung sollte immer nur mit speziellen Reinigungsmitteln aus dem Fachhandel und mit relativ weichen Reinigungsgeräten erfolgen, um keine Kratzer zu erzeugen. Ein regelmäßiges Polieren hilft, den Glanz des Steins zu erhalten und kleine Kratzer zu beseitigen. Ein Imprägnieren oder gegebenenfalls auch ein Kristallisieren durch den Fachmann kann besonders bei Wand- und Bodenbelägen eine sehr wirksame Möglichkeit, den wertvollen Stein besser zu schützen.

Besonders Grabsteine sind zusätzlich noch einer Menge anderer schädlicher Einflüsse und zusätzlich auch noch der Verwitterung ausgesetzt. Die heute herrschende Luftverschmutzung sorgt dafür, dass ein Marmor-Grabstein mit sehr vielen aggressiven Substanzen in Kontakt kommt und dadurch verwittert. Dazu kommen noch Flechten, Moose, Algen und Pilze sowie Vogelkot sowie Ruß und Staub aus der Umwelt.

Viele dieser aggressiven Verschmutzungen sind sehr schwierig von dem empfindlichen Marmor-Material zu entfernen, dabei müssen immer individuell auf den jeweiligen Stein abgestimmte Reinigungsmittel und Methoden verwendet werden. Die Reinigung kann dabei zusätzlich auch sehr aufwendig werden. Gerade bei Grabsteinen mit den meist vielfältigen Verschmutzungen und den häufig bereits eingetretenen Verwitterungsschäden gehören solche Reinigungen immer in die Hand des erfahrenen Profis – als Laie ist das Risiko, schweren und nicht mehr gutzumachenden schaden anzurichten, einfach zu groß. Zudem erzielen nur professionelle Reinigungen hier wirklich ein perfektes Ergebnis.

Fazit

Das Fichtelgebirge ist – als Granitgebirge – für viele Steinsorten bekannt – vom Kösseine-Granit bis hin zu den Seußener Tonaliten. Der unbestritten schönste Stein aus dieser Region in Oberfranken ist aber sicherlich der Wunsiedler Granit: Schon seit Jahrhunderten abgebaut findet man ihn heute noch in vielen Kunstwerken der Region und als Grabstein in ganz Bayern.

Wie bei allen Calcitmarmoren muss man bei der Pflege allerdings umsichtig vorgehen – besonders bei den vielfältigen Verschmutzungen und der raschen Verwitterung bei Grabsteinen sollte das immer der Fachmann tun. Die wirksame und schonende Reinigung erfordert hier viel Sachverstand und Materialkenntnis – und die bringt eben nur der Profi mit.

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